Die Reise des Helden – Eine Heilungsreise

Es gibt eine Kurzgeschichte, die ich vor vielen Jahren einst geschrieben habe. Und erst jetzt fast 20 Jahre später, fange ich langsam an die tiefere Bedeutung zu verstehen. Wenn wir jung sind, sind wir voller Träume, Hoffnungen und Vorstellungen darüber, wie unser Leben verlaufen sollte. Natürlich beinhaltet dies das große Liebesglück, Erfolg, Gesundheit und Anerkennung. Doch dann stellen wir fest, dass die Dinge manchmal einfach anders laufen. Der Mensch, den wir so innigst liebten, entpuppt sich als notorischer Fremdgänger oder der Businesspartner, dem wir so vertrauten, als Lügner und Betrüger, welcher uns einen Haufen Schulden einbringt. Oder wir bekommen die Diagnose, dass wir an einer schweren Krankheit erkrankt sind. Dies sind die Momente, die ich die Einweihungsmomente des Lebens nenne. Sie stürzen uns Kopfüber in die Tiefe. Zerschmettert liegen wir am Boden, nicht wissend, ob wir jemals die Kraft haben werden, uns wieder davon zu erholen. Die Zeit nach einem Einweihungsmoment, gilt als die schwierigste im Leben. Unsere ganze Kraft und Widerstandsfähigkeit werden nun gefordert, denn es geht ums blanke Überleben. Wir stehen wie nackt im Leben, entblößt wurden all unsere vermeintlichen Sicherheiten und Selbstverständlichkeiten. Doch gerade in dieser Entblößung liegt die größte Chance zur Transformation. Tod und Wiedergeburt sind die Thematiken der Einweihung. Etwas Altes muss sterben, damit das Neue wiedergeboren werden kann. Wir haben eben unser altes Ich, unser altes Selbstbild zur Strecke gebracht, oder besser gesagt, es wurde uns genommen, von genau solch einem Moment, dem Einweihungsmoment. Wir können uns nun in der Opferdynamik verstricken und bis zum Rest unseres Lebens vor uns hin jammern, über all die Menschen und Umstände, die uns dieses Leid eingebracht haben, oder wir nehmen die Zügel in die Hand und lernen wie wir zum Steuermann unseres Lebens werden. 

Die älteste Geschichte der Menschheit, ist die Geschichte der Heldenreise, denn sie ist eine Parabel für den Lebensweg des Menschen. Wenn wir noch am Anfang unserer Reise stehen, dann stellen wir uns unsere Zukunft wie einen Spaziergang durch einen wunderschönen Garten vor. Wir können uns nicht vorstellen, dass dieser Lebensweg auch Schmerz und großen Kummer beinhalten könnte. Dies ist die Naivität des Kindes, das noch kein Leid erfahren hat. Wer mit der großen Arkana der klassischen Tarotkarten vertraut ist, der weiß, dass diese in archetypischen Bildern, genau diese Seelenreise widerspiegeln. Die erste Stufe des Einweihungsweges wird durch den Narren dargestellt. Er ist der Jüngling, welcher frei, unbekümmert und unerfahren ist. Voller Enthusiasmus und mit mehr Glück als Verstand, zieht er in die große Welt hinaus. Ein erster Einweihungsmoment raubt ihm aber jedoch genau diese Naivität und Unschuld. Doch dafür bekommt er ein Stückchen Reife und Erfahrung geschenkt.

Der Narr steht noch am Anfang seines Lebensweges

Die Heldenreise ist sozusagen ein Prozess um aus dem Rohmaterial einen Diamanten zu schleifen. Jedoch gibt es ohne Widerstände keine Reibung und somit auch keine Energie, die freigesetzt werden kann um diesen Prozeß zu befeuern. Die Hürden und Hindernisse des Lebens, sind genau diese Widerstände, die den individuellen Transformationsweg ankurbeln. Reibung ist gleich Energie und diese Energie kann genutzt werden um sie in die richtigen Bahnen zu lenken. Dies ist der Moment, an dem sich zeigt aus welchem Zeug wir gemacht sind.  

Ich hatte einmal ein Gespräch mit einem jungen Mann, worin er mir erzählte, dass er seiner verloren gegangenen Unschuld nachtrauerte. Er meinte natürlich nicht die sexuelle Unschuld, sondern die Unschuld seiner Seele, die ihm die ersten schmerzhaften Einweihungsmomente des Lebens geraubt haben. Ich erklärte ihm dann, dass all dies Teil seiner Lebensreise ist, seiner individuellen Heldenreise und dass wenn er die Erfahrungen annimmt und es vermag eine Kraft daraus zu ziehen, er diese nutzen kann um sich selbst und sein Leben zu transformieren. Am Ende wird er wieder zu seiner Unschuld finden. Aber es wird eine andere Unschuld sein, keine die auf Naivität und Unwissenheit basiert, sondern es wird die Unschuld sein, die jedem Weisen innewohnt, der alle Facetten des Lebens kennengelernt hat. Diese Unschuld entsteht durch die Fähigkeit des Herzens, die Erfahrungen des Lebens zu umarmen, ohne sich zu verschließen. Das ist der wahre Stein der Weisen, die Kraft der Transformation, die im eigenen Herzen liegt! 

Folgende Geschichte, die ich vor langer Zeit schrieb, spiegelt all dies wider.  Die oftmals verzweifelten Versuche, sich nur auf der Sonnenseiten des Lebens zu bewegen um schmerzhafte Erfahrungen zu vermeiden. Dies aber ist nicht das Ziel unseres Lebens und wer so agiert, der lebt ein Leben in der Vermeidung und ignoriert die Möglichkeiten des Wachstums. 

Kurzgeschichte: Der Lebensbaum

Die letzten Tage waren wunderschön gewesen, hell und sonnig, warm und froh. Selbst in den kleinsten verborgenen Winkeln des Gartens blühte nun der Frühling. Die strahlendsten Farben verliehen der Natur ein wahres Festtagskleid. Der Wind berührte meine Haare, als ich mich langsam in dieses Bild vertiefte. „Weißt du eigentlich dass es einen Lebensbaum gibt?“ durchbrach eine vertraute Stimme die heitere Ruhe des Feierabends. „Nein.“ antwortete ich „Was ist ein Lebensbaum“ fragte ich interessierter, während ich mich etwas im Liegestuhl aufrichtete. „Nun, ein Lebensbaum ist für das fleischliche Auge unsichtbar aber dennoch ist er steht´s da. Mit seinen unzähligen kleinen und großen Ästen und Blättern überdacht er dein gesamtes Leben. Hast du schon einmal darauf geachtet, wie die Sonne, wenn sie durch das Geäst eines Baumes scheint, die unterschiedlichsten Muster von Licht und Schatten bildet?“ „Ja, warum“ wollte ich wissen. „Siehst du, genauso verhält es sich mit dem Lebensbaum. Momente des Lichts und des Schattens wechseln sich ständig ab.“ „Aber kann ich nicht einfach immer im Licht verharren?“ entfuhr es mir. „Wie soll dass den gehen?“ lachte die Stimme. „Die Sonne wandert doch und das Muster verändert sich Minutenweise.“ „Und wenn ich einfach versuche darauf zu achten wo die Sonne als nächstes hinkommt und mich dann nur von Sonnenstelle zu Sonnenstelle bewege?“ bemerkte ich schlau. „Das ist es was die meisten Menschen machen. Sie verlieren ihren Weg und ihre Ziele aus den Augen, weil sie ständig damit beschäftigt sind nur die Sonnenseiten des Lebens zu finden.“ „Und was soll ich dann machen?“ entgegnete ich etwas hilflos. „Konzentriere dich und gehe deinen Weg, direkt und zielsicher. Werde dir bewusst dass Licht auf Schatten und Schatten auf Licht folgt.“ „Dass ist schwierig.“ stöhnte ich entmutigt. „Nein ist es nicht. Wenn alles um dich herum dunkel ist, werde ich dir den Weg leuchten.“ flüsterte die Stimme zärtlich. „Wer bist du eigentlich?“ wollte ich wissen. „Ich? Das weißt du doch ganz genau. Ich bin die Stimme deines Herzens die nie verstummt“ amüsierte sich die nunmehr immer leiser werdende Stimme „Noch ein letztes Wort.“ eilte es aus mir heraus. „Aber wie kann ich sicher sein, dass du es bist der zu mir spricht? Dass ich nicht fehlgeleitet werde?“ „Sei nur ganz still, so wie du es vorhin warst. Dann wirst du mich hören. Klar und deutlich…“

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